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Tre Fontane, Sizilien, Italien20. Oktober 2016

20 Minuten dauert die Fahrt bis kurz vor Mazara del Vallo. Wir sind etwas zu früh. Das alleinstehende Lokal namens La Cozzara an der Felsenküste hat erst ab acht Uhr abends offen. Endlich dürfen wir hinein. Fontes nehmen zu viert Busiate al Astice (Hummer). Kyra Busiate mit Tomatensauce. Busiate sind eine Art spiralförmig gerollte, kurze Tagliatelle. Diese werden hier selbst gemacht. Ich bestelle einen heimischen Fisch mit Tomatensalat. Zur Vorspeise gibt es Salami, Schinken, Oliven, Grissini, Mozzarella und.... Emmentaler! Der Abend ist kurzweilig und amüsant. Ich erfahre noch allerlei über die Familie der Fontes. Wie nicht anders zu erwarten sind die Portionen zu gross um alles zu verspeisen. Mama Fonte trinkt ausnahmsweise auch Wein was Giuseppe, Gaspares Vater, zur Aussage verleitet morgen werde es sicher regnen. Worauf Vita meint sie hätte schon zwei gehabt was im Schluss mündet das es in diesem Fall also schneien werde! Vergnügt verlassen wir um Zehn das Lokal da es morgen in den Oliven weitergeht. Wie schon angekündigt bezahle ich die Rechnung. Sonst fände ich bald keinen Schlaf mehr vor lauter Selbstlosigkeit der Fontes. Oberhalb von Tre Fontane trennen sich unsere Wege. Nur noch Zähne putzen und schon liegen wir im Bett.
Was uns interessant und in vernünftiger Reichweite schien, haben wir schon abgeklappert. Deshalb und auch weil es Spass macht wollen wir noch einmal bei der Olivenernte helfen. Punkt neun stellen wir unseren Mietwagen im schmalen Weg zwischen den Bäumen ab und melden uns zum Dienst. Für Kyra haben sie extra eine zusätzliche Leiter mitgebracht. Sie ist mächtig stolz und macht sich gleich wieder voller Elan ans Werk. Gaspare und meine Aufgabe ist es die Netze nach dem Abstreifen aller Oliven zu leeren. Auch wenn diese Arbeit bei den anderen als mühsam angesehen ist bin ich nicht undankbar dafür. So ist die Sache etwas abwechslungsreicher als nur den ganzen Tag den Rechen zu schwingen. Nach Elf besuchen uns wieder Maria und Franco Stallone. Sie bringen erneut Kaffee, Kekse und Kaki aus eigenem Anbau mit. Doch keiner will schon Pause machen und so helfen auch sie bis um Zwölf mit. Dann wird gegessen. Schnitzelbrot, Arancini und Früchte. Arancini sind frittierte Reiskugeln mit einer Füllung aus Erbsen und Hackfleisch in Tomatensauce. Eine halbe Stunde später sind wir wieder an der Arbeit. Nach eins verlassen Kyra und ich die Gruppe um noch ein wenig die Gegend zu erkunden. Es ist ja unser letzter Tag hier. Der Strand fällt des drohenden Regens wegen flach. Zu Hause kurz umgezogen und wir sitzen im Auto Richtung Granitola.
Granitola ist ein kleiner Fischerort mit Leuchtturm und Marine-Forschungseinrichtung. Viel zu sehen gibt es nicht. Das Institut ist nicht zugänglich. Also sind wir schnell wieder im Auto und kurven der Küste nach Mazara del Vallo entgegen. Der Hafen von Mazara verspricht mehr Spannung. Nach einer kurzen Irrfahrt durch die Einbahnstrassen, wollte sagen gezielter Stadtrundfahrt, finden wir einen interessanten Ort. Gerade legen Fischkutter an und die fangfrische Ware wird sogleich verkauft. Tintenfisch, Garnelen und Fisch aller Art. Alles was das Meer hier so hergibt. Auf dem Rückweg zweige ich auf eine Nebenstrasse ab um zu sehen wie die Hotelanlage die von Granitola aus zu erspähen war wirklich in Schuss ist. Es ist eine Mischung zwischen Neubau und Zerfall. Schön haben wir ein so gepflegtes Heim in Tre Fontane. Dies gilt es leider heute schon zu räumen da wir morgen zeitig aufbrechen müssen um unseren Flug um 9.30 Uhr nicht zu verpassen. Das Räumen verläuft nicht ganz ohne Wehmut wie auch Kyra direkt eingesteht. Noch einmal dürfen wir heute Abend jedoch die Gastfreundschaft der Fontes geniessen.

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Tre Fontane, Sizilien, Italien19. Oktober 2016

Die Nacht ist etwas unruhig. Eine durch irgendwelche Tiere ausgelöste Alarmanlage weckt mich zwei mal. Am frühen Morgen ist es dann einsetzender Regen. Dieser stört im Gegensatz zu der Alarmanlage keineswegs. Das trockene Land kann ihn brauchen. Wir nehmen es gemütlich. Essen, Triominos spielen, duschen und dann aufbrechen. Heute nicht sehr weit weg nach Selinunte. Zirka eine halbe Stunde mit dem Auto. Etwas Ruinen anschauen etwas Dorf ansehen. Bald bezahlen wir den Eintritt und sind von der Weitläufigkeit der antiken Stadt Selinus überrascht. Auch dass man hier im Gegensatz zu der Stätte in Agrigento vor ein paar Tagen nach Herzenslust auf den alten Steinen herumklettern darf was uns eine anwesende Schulklasse auch deutlich vor Augen führt. Kyra findet es gut endlich mal einen solchen greichischen Tempel von "innen" zu sehen. Wir versuchen uns an Fotos der anderen Art. Antikes Gerümpel gibt es auf meiner Seite ja genügend zu sehen. Naja, wirklich bahnbrechend sind sie nicht. Aber immerhin führen wir das gestern begonnene weiter. Mit Kyra muss ich noch etwas an ihrem Verständnis für Ernsthaftigkeit solcher Aufnahmen arbeiten. Es fällt ihr schwer ihr Grinsen nicht zu zeigen. Eindrücklich sind die Säulenfragmente die wie riesige Käselaiber bei einem Erdbeben durch die Gegend gekullert sind. Anhand von Resten in einem elf Kilometer entfernten Steinbruch weiss man dass sie von dort stammen. Immer wieder erstaunlich was schon vor 2500 Jahren möglich war.
Der Pfad zum eigentlichen Stadtzentrum zieht sich hin. Gut einen Kilometer beträgt die Distanz. Den Wolken sei Dank steigt das Thermometer nicht über zwanzig Grad. Der Optimismus ist nach Erreichen der Akropolis doch etwas angekratzt beim Gedanken an den Rückweg. Erst einmal lese ich die Beschreibungen zu den Bauwerken und erzähle es Kyra weiter. Wir ruhen uns noch ein klein wenig aus und schliessen dann die Runde auf dem zum Glück um etliches kürzeren Rückweg ab. Im Auto stärken wir uns an Salzkeksen, Tomaten und Nüssen. Ich bin stolz auf meine Tochter wie sie marschieren mag. Wenn ich ihr Motivation zum Entdecken bin ums mehr. Egal worauf sie im Leben später neugierig ist. Und stolz bin ich nicht nur wegen ihre Durchaltewillens. Wir haben es zusammen immer gut. Auch wenn sie mal den Löwen zeigt was auch in Ordnung ist.
Das moderne Selinunte ist ein Ort wie Hunderte an der Küste und bald sind wir an der Via Tokyo in Tre Fontane zurück. Wie er begonnen hat, so setzen wir den Tag fort. Mit spielen und dann noch etwas aufräumen bevor uns die Fontes nach 19 Uhr abholen kommen um gemeinsam Fisch essen zu gehen.

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Tre Fontane, Sizilien, Italien18. Oktober 2016

Der heutige Plan lautet; "Auf nach Westen!" Genauer gesagt nach den Salinen von Pacecho und Trapani. Wir fahren der südlichen Küste nach bis Mazara del Vallo und dann nach Norden über Marsala unserem Ziel entgegen. Also insgesamt westlich. Mehr westlich in Sizilien geht nicht. Ausser ein paar kleine Inseln. Wir kommen nicht sehr schnell vorwärts aber es gibt was zu sehen. Nach zwei Stunden sind wir vor Ort und parkieren neben dem kleinen Museum welches in einem alten Gebäude mit integrierter windbetriebener Salzmühle untergebracht ist. Einige Exponate und Bildtafeln erzählen wie die Gewinnung grundsätzlich abläuft. Über verschiedene Becken wird durch Verdunstung des Meerwassers der Salzgehalt darin immer weiter erhöht bis schlussendlich das übrig gebliebene Salz nach kompletter Verdunstung des Wassers abgetragen werden kann. Früher durch Muskelkraft von Hand mit Hilfe von Schub- und Eselskarren, heute mit Kleinbagger und Förderband. Eine harte Arbeit unter der brütenden Sonne Siziliens. Auf einem Pfad umrunden wir einige Becken und vertiefen unsere Eindrücke. Es ist noch nicht Mittag und wir haben Hunger. Der erste Gedanke im dem Museum angeschlossenen Restaurant zu essen ist schnell verworfen. Der Zweite an der Promenade in Trapani zu speisen hält nicht allzulange vor. Wie magisch zieht mich der Berg im Hintergrund von Trapani an. Umso mehr da dort oben Gebäude zu erkennen sind. Solch markanten Punkte versprechen mindestens eine gute Aussicht und meist auch besondere Orte. Kyra hat keine Einwände, ausser der üblichen Frage wie lange wir dorthin fahren müssen. Ein kurzer Blick auf die Karte bestätigt dass sich dort oben eine Ortschaft befindet. In diesem Verkehr während dem Fahren auf eine Karte zu sehen ist nicht empfehlenswert und meine junge Beifahrerin kann noch nicht Kartenlesen. Dank meines jahrelang auf Auslandreisen untrüglich geschärften Instinkts finde ich die Strasse hinauf selbstredend auf Anhieb!
Erice ist ein pitoreskes Bergstädtchen und zugegebenermassen recht turistisch. Uns gefällt es hier. Insbesondere da wir ohne Ahnung hierher gelangt sind. Vielleicht aber doch nicht. Der Instinkt... göttliche Vorhersehung... wer weiss... Glücklicherweise hält sich der Andrang der Jahreszeit sei Dank sehr in Grenzen. Da wir schon zu Hause geplant haben heute Kyras Postkarten zu versenden nützen wir gleich die Post im Ort aus. Dann aber nichts wie zum Mittagessen. Dessen Qualität hält sich in Grenzen, dafür ist der Preis etwas höher. So wird der Durchschnitt gewahrt. Die umgekehrte Reihenfolge ist meines Wissens nach jedoch beliebter. Die Nachspeise kaufen wir beim Bäcker nebenan. Kekse mit Feigenfüllung. Eine sizilianische Spezialität die wir beide sehr mögen. Wir streifen noch etwas herum und nähern uns dann dem höchsten Punkt mit der Ruine einer Festung. Wie üblich seit dem Altertum ein Kultplatz der immer wieder überbaut und umgenutzt wurde. Allein schon der Aussicht wegen hat sich der Weg hier hoch gelohnt. So bekommt man erst einen Eindruck von der wahren Grösse der Salinen. Wir geniessen den Ausblick sowie die Wärme und machen dann noch einige Fotos von uns. Auf vielfach geäusserten Wunsch unserer sehr geschätzten Leserschaft in Zukunft weniger mit standart Stufel.com-Gesichtern. Zweifel an der Serösität der Berichte sollten deswegen aber nicht aufkommen!
Mit dem Heimweg machen wir die Runde komplett in dem wir im Norden erst gegen Osten und dann südlich fahren. Beinahe alles auf der Autobahn. Um vier Uhr sind wir zurück und lassen den Tag noch bei einem Strandspaziergang ausklingen. Falls uns noch jemand spontan besuchen möchte, wir sind am markierten Punkt im Bild an der Via Tokyo zu finden.

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Tre Fontane, Sizilien, Italien17. Oktober 2016

Der Wecker schellt um Sieben. Schnell sitzen wir am Tisch beim Frühstück. Kyra hat ein Yoghurt und ihre Milch. Ich meinen Kaffee und das hier übliche Weissbrot. Danach teilen wir uns noch eine Kaki. Ohne Umstände finden wir gemeinsam zu den Olivenbäumen wo wir noch einmal helfen wollen. Insbesondere ich, der nun wieder einsatzfähig ist. Alles ist bereit und die anderen haben schon begonnen. Wir helfen sogleich mit. Jeder hat seinen Platz. Giuseppe, Gaspare und Rosa bearbeiten von der Leiter aus die oberen Äste. Vita, Kyra und ich die Unteren vom Boden aus. Das Ernten am Baum läuft im Falle in dem die Früchte in die Ölpresse kommen wie folgt ab: Es werden zwei rechteckige Netze einander überlappend um den Stamm gelegt. Mit kleinen Rechen fährt man möglichst ohne viel Blattwerk und anderes mitzureissen über die Zweige. Die hier für Öl bestimmten grünen Oliven fallen in die ausgebreiteten Netze am Boden. Nachdem der Baum abgearbeitet ist, werden die Netze zusammengerafft und die Früchte entweder in Eimer oder gleich direkt in ganz grosse Bottiche gekippt. So geht es Baum für Baum. Tag für Tag. Hat man selbst einmal nur schon einen Tag geholfen, bleibt dies beim Anrichten des nächsten Salates mit Extra Vergine mit Respekt für die Leistung sicher in Erinnerung! In der ganzen Gegend sind um diese Jahreszeit junge Männer aus Afrika zu sehen. Die meisten von ihnen verdingen sich als Taglöhner und pflücken Oliven welche gegessen werden Stück für Stück von Hand. Pro kleine Kiste bekommen sie rund drei Euro und verdienen so etwa vierzig Euro am Tag! Beim Auslesen der Zweige welche manchmal mitgerissen werden entdeckt Kyra eine kleine Gottesanbeterin. Allzugerne möchte sie auch von der Leiter aus den Rechen schwingen. Arbeitend und plaudern verfliegt die Zeit im Flug. Nach einer kurzen Mittagspause zu der uns Vitas Kusine mit ihrem Mann besuchen darf Kyra dann auch auf die Leiter und ist kaum mehr zu bremsen. Wir helfen noch bei zwei weiteren Bäumen und fahren dann zurück in unsere Wohnung um wie schon lange abgemacht ins Meer zu hüpfen.
So rasch wie wir am Strand sind, bin ich aber dann nicht im Wasser. Vor allem nicht hineingehüpft. Es ist doch sehr kalt. Der starke Wind zu unserer Ankunft hat sicher auch nicht zur Erwärmung beigetragen. Versprochen ist versprochen und so kann ich erst ans Ufer zurück nachdem ich bis zum Hals im Wasser war. Kyra planscht noch einige Zeit in den Wellen. Die Sonne am beinahe wolkenlosen Himmel wärmt mich zum Glück rasch wieder auf. Mit Kyra bauen wir eine kleine Sandburg und sie gräbt dann selber weiter den halben Strand um. Gegen vier Uhr stellen drei Einheimische ihre Fischerruten auf. Jeder der Drei hat mindestens vier Angeln. Alleine das Einrichten ist schon ein Prozedere von etwa einer halben Stunde. Bis wir um halb sechs heim gehen hat immerhin einer einen Fisch von etwa zwanzig Zentimeter Länge gefangen! Wie bei vielem geht es hierbei vermutlich auch mehr um die Sache selbst als um den grossen Fang. Kyra duscht und ich bereite das Nachtessen zu. Ich widme mich nun dem Texten und Kyra ihrer Muschelkette. Das Programm des nächsten Tages steht. Aber dazu morgen mehr.

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Hier noch der Link zu Fontes Öl.


Tre Fontane, Sizilien, Italien16. Oktober 2016

So muss das sein. Die Lebensgeister sind beinahe vollzählig zurück, das Wetter und die Temperatur wie bestellt. Noch vor dem Frühstück "müssen wir" (Originalton Kyra) den Strand bei nun ruhiger See besichtigen. Nach der Stärkung führt uns die Strasse über das Land Richtung Agrigento. Da die Kurverei durch die Hügel doch einige Stunden in Anspruch nehmen würde suchen wir die Beschleunigung der Reise in Form der Schnellstrasse 150. Das hilft. Gut 90 Minuten später sind wir im Valle deli Templi. Einer Ansammlung griechisch-römischer Kultstätten auf einer Hügelkette gelegen. Das Tal der Tempel auf einer Hügelkette? Keine Ahnung wie das kommt! Verpflegung haben wir dabei und so kann die Besichtigung nach Bezahlen des Eintritts losgehen. Da das Gelände recht weitläufig ist gehen wir als erstes ganz ans obere Ende zum Tempel der Juno. Leider kann man nicht hinein. Wohl weil wie üblich die Anlage vor zu vielen ignoranten und drauf herumtrampelnden Besuchern geschützt werden muss. Es ist nun Mittag und die Temperatur liegt bei 25 Grad. Wir verpflegen uns im Schatten der auch hier präsenten Olivenbäume. Gemächlich schlendern wir dann bergab und besichtigen die Nekropole welche mit der Christianisierung entstanden ist. Kyra findet die Höhlengräber riechen muffig. Wo denn die ganzen Toten hin verschwunden seien will sie wissen. Das Fleisch verrotte doch, aber die Knochen? Ich erkläre es ihr. Spannend wie sie sich damit beschäftigt und daran interessiert ist. Um halb drei haben wir genügend Trümmer der Antike gesehen und steigen ins Auto nachdem wir noch Postkarten gekauft haben.
Richtig spannend wird es aber erst jetzt. Die Strasse welche uns hierher geführt hat wurde von der lokalen Polizei gesperrt. Zeichen einer Umleitung sind nicht zu finden. Wir kurven im Gewirr der Einbahnstrassen auf dem Hügel von Agrigento herum und ich übe mich in buddistischer Gelassenheit. Als wir nach zehn Minuten zum zweiten mal an der selben Abschrankung vorbeikommen habe ich die Möglichkeit einen Hilfspolizisten nach dem Weg zu fragen. Hat da jemand hinter mir gehupt? Ich konzentriere mich ganz auf die freundliche Auskunft des Herren an meiner Beifahrertüre. Wirklich klar sind mir seine Anweisungen nicht, aber irgendwie finden wir hier heraus. Was ich nun jedoch sicher weiss, ist das König Fussball den Sonntag Nachmittag regiert! Eine Hälfte Auskunft und eine Hälfte Instinkt führen uns dann auf den rechten Pfad zur Scala dei Turchi. Sie liegt nur etwa zehn Kilometer westlich von Agrigent an unserem Heimweg. Bevor wir jedoch zu deren Besuch schreiten, stärken wir uns am Strand bei einer geteilten Pizza Siciliana. Kyra hält sich an die Oliven, ich mich an die Sardellen.
Die Scala dei Turchi "Die Türkentreppe" ist eine Schicht aus weichem weissem Kreidekalk welche leicht schräg und abgetreppt aus dem Meer ragt und einen kurzen Küstenabschnitt bildet. Ein schöner Ort der auch um diese Jahreszeit gut besucht ist. Da heute Sonntag ist umso mehr. Barfuss schlendern wir den Strand entlang bis zum Fuss der Formation. Kyra klettert als wir oben angelangt sind auf den kleineren Stufen herum und schafft es in kurzer Zeit die Farbe ihrer Hose derer des Kalsteins anzugleichen. Das wird die schwarzen Stoffpolster unseres Lancias aber freuen! Wir verweilen ein wenig in der Wärme über der blauen See. Welch ein Kontrast zwischen dem Weiss des Steins und dem Türkis des Wassers! Heute scheint der Tag der Kontraste zu sein; Weisser Kalkstein zu blauem Meer. Weiss gekalkte Hose zu schwarzem Stoff...
Der Heimweg ist in etwas mehr als einer Stunde zurückgelegt. Begleitet vom gedämften Licht der Sonne welches die endlosen Pflanzungen von Oliven und Reben auf den langen Schwüngen in der Landschaft ausleuchtet. Ich mag diese Jahreszeit mit der einzigartigen Sanftheit der Natur mehr als jede andere. Kyra schläft ruhig hinter mir. Auf dem Bildschirm meines Mobiltelefons erscheint eine liebevolle Kurzmitteilung. Eine tiefe innere Ruhe erfasst mich.

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Tre Fontane, Sizilien, Italien15. Oktober 2016

Elf Stunden Schlaf haben gut getan. Nach etwas Frühstück korrigiere ich den Bericht von gestern und konvertiere noch Fotos für das Hochladen. Auf der Dachterasse klappt dies im Gegensatz zum Versuch in der Wohnung darunter dann auch passabel. Kyra zieht es an den Strand. Noch ist der Scirocco nicht ganz verstummt und treibt weiter Wolken aus dem Süden vor sich her. Jedoch mit verminderter Kraft und er beruhigt sich zunehmend. Gewissenhaft untersucht Kyra jeden Quadratmeter Sand um ja keine Muschel die durch die unruhige See freigelegt wurde zu übersehen. Alle der Reste sind mit einem Loch versehen. Dies durch deren Wiedersacher welche sich an ihnen gütlich getan haben. So bieten sich die Muschelschalen perfekt an daraus eine Kette zu basteln. Mit meiner Hilfe finden wir dann genügend für das Vorhaben.
Noch bin ich von der Erkältung extrem schlapp und meiner Tochtern nicht gerade ein motivierter Papi. Deshalb melde ich mich bei Gaspare, welcher mit den Eltern und Rosa bei der Olivenernte ist, ob wir vorbeikommen könnten. So hätte sie Gesellschaft und etwas Neues zu entdecken. Wir treffen uns in Campobello und fahren gemeinsam zum Streifen Land wo die Olivenbäume in drei Reihen stehen. Alles ist schon bereit und wir legen los. Schon nach kurzer Zeit muss ich passen. Mir fehlt jegliche Energie und ich stelle den Beifahrersitz flach um mich auszuruhen. Kyra hilft wacker weiter. Die Zeit vergeht wie im Flug. Für die einen bei der Arbeit an den Bäumen, für mich beim fiebrigen Dösen im Auto. Die letzte halbe Stunde helfe ich dann wieder mit und mache mich auch beim Aufräumen nützlich. Zu Hause bei den Fontes kippen wir hernach die Tagesernte aus den Eimern, welche Vater Giuseppe im Geländefahrzeug heimgebracht hat, in grosse Behälter auf einem Anhänger. Bis zum Nachtessen ist noch etwas Zeit und wir "Jungen" fahren zum Einkaufzentrum in Castelvetrano. Eine erstaunlich moderne Einrichtung in der sonst doch eher bescheidenen Infrastruktur. Wie sehr wünschte ich den Menschen hier mehr Möglichkeiten ihr Einkommen hier verdienen zu können und nicht weit weg Ihr Geld verdienen zu müssen. Doch wie es scheint wird diese Veränderung warscheinlich noch lange dauern. Auch der Tourismus kann hier keine Berge versetzen. Wohl weil es weder landschaftlich noch geschichtlich in dieser Ecke Siziliens allzuviel zu bieten hat. Der wahre Reichtum sind für mich auf jeden Fall schon jetzt die Menschen selbst.
Es macht mich verlegen bei Fontes wieder deren Gastfreundschaft geniessen zu dürfen was ich auch offen zugebe. Eine Einladung auszuschlagen ist jedoch beinahe unmöglich. Insbesondere wenn uns klar gemacht wird, dass wir ihnen sehr sympathisch seien. An der Einladung gäbe also nichts zu rütteln. Basta! Dafür bestehe ich darauf sie nächsthin alle zum Fischessen einzuladen. Wir geniessen das Nachtessen im familiären Kreis und verabschieden uns gegen Acht. Mit einer Dusche zu Hause spühlen wir uns den Schweiss der Arbeit im Hain (ich eher den Fieberschweiss) vom Körper sehen noch etwas fern bevor wir zeitig ins Bett gehen.

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Tre Fontane, Sizilien, Italien14. Oktober 2016

Um fünf Uhr aufstehen, bereit machen, Gepäck schnappen und auf zum Flughafen! Zugegeben, die Abfahrt um halb sechs ist etwas optimistisch aber dank Geschäfts-Flugschein müssen wir kaum Wartezeit in Kauf nehmen und sind zügig am Flugsteig. Rosa und Gaspare haben schon leichte Zweifel an unserem rechtzeitigen Erscheinen gehegt. Fünfzehn Minuten später rollt das Flugzeug um 06.45 Uhr auf die Startbahn. Der knapp zweistündige Flug ist von leichtem Schütteln begleitet. Das Wetter in Palermo ist diesig und 28 Grad warm. Das Gepäckband spuckt unsere Koffer als letztes aus. Macht nichts, wir sind angekommen und haben Ferien. Mit unserem gemieteten Lancia Ypsilon gelangen wir auf der fahrzeugleeren Autobahn in 50 Minuten nach Campobello die Mazara wo wir von Gaspares Eltern empfangen werden. Nach Jahren zurück in der Heimat haben sie viel vom Schweizerdeutsch verlernt. So kann ich mein Italienisch pflegen und wir kommen ins Gespräch. Für Kyra übersetze ich wenn sie etwas wissen will. Der angebotene Espresso tut gut. Meine Erkältung macht mir leider immer noch zu schaffen.
Um Zwölf fahren wir nach Tre Fontane ans Meer hinunter. Wir deponieren das Gepäck in der Wohnung und lassen uns alles erklären. Die Szene im um diese Jahreszeit menschenverlassenen Ort scheint einem Endzeitfilm entlehnt. Die starke Brise fegt böhig über den Strand. Treibt die Schaumkronen weit landeinwärts und häuft feinen Sand zu kleinen Dünen an der Promenade an. Mit zusammengekniffenen Augen stemmen wir uns gegen den Wind und bestaunen diese Unwirklichkeit. Der Anblick fasziniert, lädt aber trotzdem nicht zum langen Verweilen ein. So fahren wir für das Mittagessen zurück nach Campobello. Während des Mahls unterhalten wir uns angeregt über die anstehende Olivenernte und alles darum herum. Einen Tag dabei zu helfen lautet der Plan und ist das Mindeste was für für die warme Gastfreundschaft zurückgeben können. Das wird sicher lustig und lehrreich. Nur das Wetter scheint noch nicht ganz auf unserer Seite zu sein. Das wird schon noch werden.
Kyra und ich machen uns auf zurück zu unserem Feriendomizil. Auf dem Weg dorthin halten wir an einem Supermarkt um Einiges zu unserer Verpflegung zu kaufen. Allzuviel brauchen wir nicht. Kurz die Sachen in der Wohnung an der Via Tokyo abgeladen zieht es Kyra hinunter an den Strand. Die Szenerie ist durch die nun tiefer stehende Sonne noch etwas gespenstischer. Kyra vergnügt sich im Sand und ich versuche mit unzähligen Fotos das ganze festzuhalten. Irgendwann haben wir dann genug Sand geschluckt und gehen für das Abendessen heim. Reis mit Buchweizen und Tomatensauce. Keine grosse Sache. Während ich nun diesen Bericht verfasse malt Kyra an einem ihrer Mandala die sie mitgebracht hat.

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Buchs, Schweiz12. September 2015

Wieder zu Hause. Rund 3000 Kilometer und etliche Erfahrungen reicher. Anstelle mich über den Marathon des Heimwegs auszulassen liegt mir eine Zusammenfassung meiner personlichen Eindrücke mehr am Herzen.
Bei meinen bisherigen Aufenthalten war der Kontakt relativ gering da die Dauer zu kurz um mehr zu wissen. Am meisten überrascht bin ich über das "südländische Wesen" der Engländer. Ob es an der ehemaligen römischen Besatzung liegt glaube ich nicht. Erstens liegt das schön zweitausen Jahre zurück und zudem sind nachher etliche Völker über ehemals keltische Einwohner hereingebrochen. Erst die Norddeutschen Angeln und Sachsen und dann noch die Wikinger. Möglicherweise liegt es aber genau an diesem dauernden Wandel welcher die britische Gelassenheit gefördert hat. Möglicherweise auch das relativ schnell wechselnde Wetter. Abwarten und nicht übereilen ist allgemein verbreitet. Dies spiegelt sich sicher auch in der sprichwörtlichen Höflichkeit wieder. Insbesondere im Verkehr ist mir das sehr positiv aufgefallen. Drängeln und gar Hupen findet wenig statt. Also das fehlende Hupen wäre dann zwar atypisch südländisch. In dieser abwartenden Zurückhaltung fallen dann auch die teilweise rückständige Infrastruktur. Besonders was das Bauen betrifft. Vieles ist liegt um Jahrzehnte zurück. Die Gebäudedämmung, die Kanalisation und in den Gebäuden allgemein ist vieles erneuerungsbedürftig. Nie werde ich mich an die einzelnen Hahnen für Warm- und Kaltwasser gewöhnen. Hier stehen britischer Charme gegen Modernismus oder anders betrachtet; Wieviel der heute auch von mir geschätzten Landschaft und Architektur wären ohne Schlendrian schon verloren gegangen. Abgesehen vom dadurch vernachlässigten Umweltschutz für mich kein schlechter Zug. Im Weiteren zum südländischen Wesen gehören für mich die Bereitschaft für einen kleinen Schwatz oder spontane Kommunikation sowie die Hilfsbereitschaft.
Im krassen Gegensatz dazu ist die allgegenwärtige, meist ausgewiesene, Überwachung. Kameras sind allenthalben angebracht. Ob dies an einer hohen Kriminalität liegt weiss ich nicht und habe es auch nicht nachgeschlagen. Auch wurde ich zum Glück von jeglichen Vorfällen dieser Art verschont. Zudem fröhne ich auf meinen Reisen nie dem Nachtleben und so fehlt mir auch diese Perspektive. Der Umgang mit dem Datenschutz ist hier deutlich ein anderer.
Sicher ist es speziell mit dem Motorrad die Insel zu bereisen. Mit Regen muss immer gerechnet werden und Berge sind in etlichen Regionen Mangelware. Kurvige Strassen hat es jedoch zur Genüge und abseits der Ballungszentren ist der Verkehr überschaubar und der Linksverkehr gut zu meistern. Ob mit Motorrad oder Auto. Ich habe Gefallen an Land und Leuten gefunden. Es bietet natürlich für einen Fan von "alten Steinen" wie mich genügend Anschauungsmaterial. Der kleine Abriss hat in mir auf jeden Fall den Wunsch mehr davon zu sehen geweckt.


Devizes, Wiltshire, England10. September 2015

Da haben sie mir doch etwas Angst gemacht auf der Website von Stonehenge mit der Ankündigung besser das Ticket im voraus zu lösen um Einalss zu haben. Ich lasse mich nicht beirren und fahre um Acht Uhr ab. Der nächste Dämpfer ist die am Strassenrand angekündigte Vollsperrung kurz vor dem Ziel. Egal, immer stur auf der Strasse bleiben. Wenn ich etwas auf meinen Reisen gelernt habe dann dass es sich immer eine Türe öffnet. So folge ich an der Strassensperre zwei Wagen auf eine kleine Nebenstrasse im Vertrauen darauf das sie den Weg kennen. Und tatsächlich komme ich einige Kilometer später wieder auf die selbe Strasse und kurz darauf in Stonehenge an. Perfekt! Die Kassen öffnen erst in einer halben Stunde um Halb Zehn. Der Parkplatz ist noch beinahe leer. Mit einem Ticket der English Heritage kann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens kann ich das jetzt schon kaufen und habe dann auch Zutritt zu den anderen in der Gegend liegenden Museen und Fundorten. Mit dem ersten Bus fahre ich zum rund drei Kilometer entfernten Henge. Die Nebel um das Palteau lichten sich endgültig und ohne Leute ums die Anlage ist es ein guter Moment um Fotos zu machen. Beim Umrunden der der Steine höre ich mir die Audioführen an welche ich am Eingang per App und gratis Wifi herunterladen konnte an. Es ist wirklich perfekt organisiert. Den Rückweg mach ich vorbei an Grabhügeln und entlang der kilometerlangen Zeremonienstrasse zu Fuss. Um Elf zurück bei mMotorrad schwitze ich schon beträchtlich. Stört mich nicht weil ich in letzter Zeit genug gefroren habe. Rasch fahre ich noch kurz zum Ort wo die neuste Entdeckung von Sarsensteinen gemacht wurde. Diese liegen aber noch unter der Erde und so ist nicht viel zu sehen.
Weiter geht es nach Avebury und umliegenden Altertümern. Die Landschaft ist voll von Grabhügeln und alten Anlagen. Nur wird einem öfters die Sicht von den Hecken versperrt. Vorbei komme ich an einem weissen Pferd, halte dann am Silbury Hill wo vor rund 4500 Jahren mit 250'000 Kubikmeter Material ein riesiger Hügel aufgeschichtet wurde. Gehe zu Fuss zum noch älteren Wallgrab von West kennet und gelange schliesslich nach Avebury. Einer Anlage mit Wall und Graben von Rund 200 Meter Durchmesser, ehemals durchbrochen von vier Zugängen. Den innenliegenden Graben säumten einst stehende Steine. In diesem Steinkreis waren noch zwei weitere Steinkreise angeordnet. Heute ist ein Teil des Walls duch einen Gutshof gestört und viele der Steine wurden für den Bau der darin liegenden Häuser zerbrochen. Durch die schnellen Aufzählung will ich nicht mit archäologischen Details langweilen. Da vieles sowieso im Dunkeln der Zeit liegt kann und muss man sich der Fantasie und Magie der Orte hingeben. Etwas was ich liebe und mir leicht gelingt. Zu guter Letzt finde ich mich im Museum von Devizes wieder. Diesen Tipp habe ich heute morgen beim Download der App von einer Angestellten erhalten. Die Ausstellungsstücke in Stonehenge seien eher die schäbigen Reste der Aussellung von Devizes. Wie Recht sie hat. Vollkommen alleine erkunde ich beinahe zwei Stunden alleine nur die der neolithischen Zeit gewidmete Abteilung und studiere alles möglichst genau um immerhin eine Ahnung vom damaligen Leben zu bekommen. An der Kasse gerate ich ins Gespräch mit der älteren Angestellten und vermute anhand ihres th dass es sich um eine Deutsche handeln muss. So ist es und wir untehalten uns dann auf Deutsch weiter. Nach einem aufschlussreichen Gespräch über die hiesigen Zustände kommen wir auf das Essen zu sprechen und sie empfiehlt mir unter anderem einen Inder im Ort. Ein guter Tip. Das Essen ist vorzüglich und ein Perfekter Abschluss für einen perfekten Tag.

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Devizes, Wiltshire, England9. September 2015

Mit Wehmut verlasse ich mein edles und modernes Hotelzimmer. Aber 150 Franken sind zuviel des Guten. Nun habe ich in einem Motel ausserhalb für die Hälfte gebucht. Devizes liegt in guter Nähe zu Stonehenge und anderer prähistorischer Stätten. Weil das Zimmer erst um 15 Uhr bezugsbereit ist sehe ich mir den Tag hindurch noch etwas die Gegend an. Bath liegt schnell hinter mir und ich kurve rund eine Stunde Richtung Südwesten nach Glastonbury. Das Navi hat zwar Vorteile was die Orientierung betrifft, ist aber nicht ohne Tücken. Erstes betrifft die Eingabe von Adressen. Nicht jede Anschrift ist vorhanden und so lande ich rund 2 Kilometer abseits des Ortes. Obwohl ich schon anhand der Schilder stutzig wurde. Auch das flüssige Mitfahren im Linksverkehr und gleichzeitige im Auge behalten des Display ist fordernd. Immerhin komme ich durch Nachfragen in Kontakt mit den Leuten. Schlussendlich finde ich das Ziel dann.
Glastonbury Abbey ist ein altes verfallenes Kloster und mit dem Park ein beliebtes Ausflugsziel. Der Ort profitierte früher von Spekulationen um die Arthus Saga wofür sich aber keine Belege fanden. Nachweislich wurde König Arthur I hier begraben. Meine Tasche möchte ich an de Kasse abgeben was aber im Terrorwahn nun scheinbar nicht mehr möglich ist. So schleppe ich sie mit. Nachdem was ich in Fountains Abbey gesehen habe reisst es mich hier nicht gerade vom Sessel. Hübsch, aber bei weitem nicht so gross und eindrücklich. Das Museum ist dafür etwas besser und detailierter in den Beschreibungen. In einer Stunde bin ich durch.
Es geht weiter. Ich halte Ausschau nach einem Turm auf einem Hügel den ich schon von weitem gesehen habe. Er ist nicht auszumachen aber die ungefähre Richtung weiss ich und er muss in der Nähe sein. So orientiere ich mich an den braunen Schildern für Sehenswürdigkeiten und folge jenem mit dem Turm und der Beschreibung "Tor". Könnte heute Tower heissen. Nach einigen Minuten bin ich am Fusse des Hügels auf welchem der "Tor" steht. Im Vertrauen auf fehlendes Gesindel am Nebenpfad hoch zum Turm lasse ich die Tasche fetgezurrt auf der Sitzbank. Alle elektronischen Geräte sind ehedem immmer im Koffer eingeschlossen. Ich müsste also bei Diebstahl die restlichen Tage mit den gleichen Unterhosen auskommen. der Aufsteig über die Wellen des Hügels ist schnell vollbracht. Die Wellen stammen von den horizontalen Schichten des Untergrundes aus Sandstein und Kalk. Da beide nicht gleich schnell verwittern ergibt sich die treppenartige Struktur. Die Aussicht von der windigen Kuppe ist wirklich eindrücklich und die Landschaft Somersets liegt in sanft geschwungenen Hügeln um mich herum. Der Turm stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der Hügel wurde aber schon seit Ewig genutzt. Es ist nun langsam Zeit für mich zur Unterkunft aufzubrechen. Wieder geht es über die wellige Lanschaft. Diesmal nordwestlich. Die Leuchte der Tankreseve geht an. Ich habe doch schon wieder über 150 Kilometer gemacht. Mehr als erwartet. Aber wo lässt sich hier in der Pampa ein Tankstelle finden. Noch habe ich nie die Reserve ausgereizt und will es hier nicht zum ersten Mal versuchen. So verlasse ich den vom Navi vorgegebenen Weg bei der nächst grösseren Ortschaft und frage nach einer Petrol Station. Schon bald kann ich erleichtert für einen vollen Tank bezahlen. Hier folgt der zweite Streich meines Navis. Ich fahre rund 500 Meter im Kreis um dann 30 Meter neben der Tankstelle wieder in die selbe Strasse zu gelangen. Mit genug Benzin ist mir das nun beinahe egal.
Gegen Vier Uhr deponiere ich mein Zeug im Motel und starte zu Fuss zu einer Runde durch den Ort. Ich will mich noch mit Essen versorgen um nicht wieder den Köstlichkeiten lokaler Pubs ausgeliefert zu sein. Schon bei Ankunft ist mir der Kanal mit den Schleusen aufgefallen und ich mache den Umweg entlang desselben. Leider sind keine der schmalen Wohnkäne in Bewegung und so werden auch keine der Schleusen betätigt. Dies ist an den Holzflügeln mit mächtigen Hebeln von Hand zu bewerkstelligen. Wäre nett zu beobachten. Zurück im Motel esse ich draussen in der Abendsonne das gekaufte Gemüse und die Früchte bevor es wieder ans Schreiben geht.

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Bath, Bath, England8. September 2015

Was für ein Morgen. Der blaue ist Himmel wie bestellt für meine Fahrt über die walisischen Berge. Die Nacht im B&B war ruhig. Phill, der den Laden für die Besitzer schmeisst scheint manchmal etwas verwirrt ist aber ein lustiger und hilfsbereiter Kerl. Nach etlichen Schnitten Toast mit der Bitterorangenmarmelade welche ich liebe geht es los. Was mich nun erwartet ist die bisher beste Fahrt. Eineinhalb Stunden kurven durch die Berge. Vorbei an Wales höchstem Berg, dem Snowdon und Schiefersteinbrüchen. Dann durch eine Gegend die an den Schwarzwald erinnert. Was mir wirklich auffällt ist dass das Grün wirklich so saftig ist wie man es auf den Fotos wahrnimmt. Es ist schon beinahe kitschig.
Wieder im Flachen fängt mich Nebel ein. Immerhin das erste Mal in England. Was wäre der Herbst in England ohne Nebel! Nicht das ich das gebraucht hätte aber muss wohl sein. Der Nebel wechselt zu Wolken als ich vor Birmingham auf die Autobahn gelange. Der obligate Stau lässt nicht lange auf sich warten, ist aber nicht zu heftig. Um zeitig in Bath anzukommen bleibe ich auf der Autobahn. Das Hotel habe ich schon gebucht. Mein Zimmer ist teuer und schön. Auch die Sonne scheint wieder. Perfekt. Eigentlich müsste ich hier in den Thermen baden gehen. Heute reicht aber Zeit nicht mehr. Noch bin ich nicht schlüssig ob ich morgen bleiben und baden gehen soll, oder weiter nach Salisbury in die Nähe von Stonehenge. Mal sehen was sich an günstigeren Unterkünften bietet. Es ist ja alles nicht sehr weit von einander entfernt.

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Caernarforn, Snowdonia, England7. September 2015

Drei Stunden Etappen scheinen das Richtige zu sein. Heute von York nach Caernarfon in Wales. Vorbei an Manchester und Liverpool. Um Manchester kämpfe ich mich durch den Stau und verliere einige Zeit. Aber wie stand es dort am Strassenrand; "Better slow and arriving save". Voller Stolz kann ich nun verkünden dass ich nach Manchester den Kulminationspunkt aller englischen Autobahnen überwunden habe. Dieser höchste Punkt liegt ganze 372m über dem Meeresspiegel! Liverpool nehme auf dem weiteren Weg ich nicht einmal aus der Ferne war. Dann geht es der Küste entlang bis zum Ziel. Wie immer ein Thema ist das Wetter. Es scheint beinahe schon die Sonne. Gut so. Ich nehme ein einfaches Zimmer in einem B&B für 60 Franken mitten in den alten Stadtmauern. Es ist Ein Uhr und ich habe Hunger. In einem Pub an der Promenade esse ich Etwas. Kaum lege ich das Besteck beiseite landet schon eine Möwe auf dem Bank und will an die Reste. Es ist Nachdruck nötig um sie zu verscheuchen. Als ich aufbreche und einige Meter entfernt bin stürzen sich etliche Möwen mit wilden Gekreisch auf den Teller. Ich höre Geschirr und Besteck auf den Boden fallen und gehe weiter. Ein Szene wie bei Alfred Hitchcock!
Auf in die Burg. Der Bau wurde im Jahr 1283 zur Sicherung der durch die Normannen neu eroberten Gebiete durch Edward I begonnen. Mit ihr noch einige mehr da sich die aufsässigen Waliser nicht einfach so unterkriegen liessen. Mit seinem hier geborenen Sohn Edward II wurde der erste nicht Waliser zum Prinzen von Wales gekührt. Der bisher letzte war im Jahr 1969 der Königssohn mit den abstehenden Ohren namens Charles. Einzigartig an diesem Bau sind die meist unregelmässig achteckigen Türme. Schön ist, dass in der gut erhaltenen Festung beinahe alles zugänglich ist. Ich habe schon eliches besucht aber das auf und ab, hinten rum und vorne durch ist teilweise verwirrend und doch spannend. Ein wahres Labyrinth. Die Kammern sind nicht angeschrieben uns so ist es nicht immer klar zu erraten was Aufenthaltsräume, was Küche oder auch Abort war. Beeindruckend ist der für den königlichen Aufenthalt hergerichtete Turmsaal mit seinem massiven Eichenbalken. Auch wenn dieser nachweislich nie richtig benutzt wurde. Es war scheinbar schon damals so. Schön zu wissen dass man es hat, auch wenn man es nie braucht! Ich pausiere auf einigen Treppenstufen in der Wiese. Die Führerin einer Touristengruppe erklärt im Vorbeigehen deutlich früher sei das Betreten des Rasens nicht erlaubt gewesen. Warscheinlich weil "Dumbo" anno 69 mit seinen royalen Füssen darauf herumgetrampelt ist.
Nach der Besichtigung der Burg sehe ich mir noch etwas den Ort und den Hafen an. Caernarfon ist zugegebenermassen ein richtiges Provinzkaff. Einzig reizvoll finde ich noch die Lage am Meer. Ohne Touristen schiene hier ziemlich das Ende der Welt. Gegen Spätnachmittag kommt die Flut. An der Flussmündung steht eine Drehbrücke die sich gerade für ein zurückkehrendes Fischerboot bewegt. Das muss ich festhalten. Darauf etwas Pasta in einem Lokal gegessen und dann zurück zur Unterkunft marschiert. Da realisiere ich das an meinem Töff das Standlicht brennt. Elende Zündschlossschaltung! Keine Ahnung wer so was braucht und erst recht nicht wer so was erfunden hat. Wer lässt schon extra das Licht brennen um dann sein Fahrzeug nicht mehr starten zu können? Glück gehabt.
Nun liege ich auf dem Bett und schreibe nach der Planung für die morgige Etappe nach Bath den heutigen Bericht. Nebenbei läuft der Fernseher mit walisischem Program. Ich verstehe zwar kein Wort aber tönt spannend...

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York, yorkshire, England6. September 2015

Endlich was ich nach den grauen Tagen brauche! Ab zehn Uhr stalblauer Himmel und am Nachmittag sollen es gegen achtzehn Grad werden. Der heutige Plan beinhaltet den Besuch eines verfallenen Klosters mit angrenzendem Park und danach ein in den Berghang gescharrtes Pferdebild. Die halbe Stunde Fahrt ist ein Genuss durch die englische Landschaft. Nur der Linksverkehr erfordert nach wie vor Konzentration. Da mit dem Motorrad angereist bezahle ich nur den halben Preis. Also gute sechs Pfund anstelle der normalen 12. Wie es sich für ein UNESCO Weltkulturerbe gehört ist alles tiptop eingerichtet und gepflegt. Einen kurzen Spaziergang von Eingang entfernt liegt die alte Abtei in einem kleinen Tal mit Bach. Praktischerweise sind die umliegenden Hänge aus Sandstein und boten so genügend Baumaterial. Gegründet wurde das Kloster im Jahre 1132 auf den Mönchen geschenktem Boden. Selbstverständlich konnten diese sich nicht in ein gemachtes Nest setzen sondern trotzden der Natur alles mit ihrer Arbeitskraft ab. Die ersten Jahre überstanden sie nur dank Gaben der Obrigkeit und anderer Glaubensgemeinschaften in Europa. Zur Blütezeit konnte das Kloster mit Wolle ein vermögen machen und so etliche Ableger gründen. Doch auch dann verlief das Leben nicht immer reibungslos. Hungersnöte, Kriege und die Pest welche an zwei Drittel der Mönche dahinraffte machte dem Kloster zu schaffen. Auch Machtspiele und Intrigen setzten dem Kloster zu und führten schliesslich zu dessen Niedergang vor runddreihundert Jahren. Die Bauten waren dem Verfall geweiht. Der angrenzende Park wurde um 1780 angelegt und galt damals als einer der schönsten in England. Heute wird versucht Etliches im Park wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen.
Nach dem Lesen der Erklärungen in einem Pavillon mit einem Holzmodell schlendere ich die wärmende Sonne geniessend durch die Ruinen der Abtei. Etliche Leute tun es mir gleich oder haben sich für ein Picknick auf dem saftigen Rasen niedergelassen. In drei Stunden habe ich den Rundgang abgeschlossen und unzählige Fotos geschossen.
Das nächste Ziel ist das Pferd von Kilburn. Das Bild ist leider nicht von den Kelten sondern wurde um 1850 im Auftrag eines Landadligen anglegt. Eine kurze Pause später fahre ich Überland in gemählichem Tempo York entgegen. Den retlichen Spätnachmittag streife ich noch einmal durch die nun weniger personengefluteten Gassen der Altstadt und lasse mich bis zum Abendesessen am Flussufer nieder und beobachte das Geschehen.

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York, Yorkshire, England5. September 2015

Wie geplant geht es heute nach York. Wieder zweieinhalb Stunden bei zehn Grad auf der Autobahn. Ich zweifle ob mein Plan richtig ist und werde auf jeden Fall nicht mehr weiter in den Norden fahren. Obwohl es dort scheinbar nicht kälter als in York sein soll. Aber trotz guter Kleidung macht es so nicht wirklich Spass. Voraussichtlich fahre ich von hier dann quer nach Osten nach Wales.
Um Mittag komme ich an. Mit Glück finde ich ein günstiges Zimmer im Hotel Ibis. Es kostet 75 Franken. Aber nur weil es heute nicht mehr vermietet werden kann. Sonst wäre es das Doppelte. Alle anderen Zimmer in der Gegend kosten um die hundertvierzig Franken da heute Samstag ist. Dann werden Sie wieder billiger. Ganz der Nachfrage entsprechend. Ich habe Zeit und will mir das Zentrum und das Museum ansehen. Die Fussgängerzone der Innenstadt ist voller Einheimischen und Touristen. Im historischen Museum ist es deutliche ruhiger. Am meisten interessiert mich die Phase der Wikinger welche die Geschichte einige Jahrhunderte prägten. Der Name der Stadt leitet sich aus dieser Zeit vom Namen Jorvik ab. Nach einer Stunde habe ich das wichtigste gesehen. Weiter geht es zum Münster. Der riesige Sakralbau zeugt noch davon dass York einst die zweitwichtigste Stadt in England war. Der Eintritt kostet 10 Pfund und ist ein ganzes Jahr gültig, was mir aber wenig nützt. Darum lasse ich es bleiben. Die meisten Geschäfte in der Altstad sind Pubs, Cafes und Läden mit Krimskrams. Das Interessante sind aber die alten Fassaden der Häuser. Ganz Alte sind noch mit Fachwerk ausgeführt, neuere Bauten aus Backstein. Bachsteinbauten dominieren sowieso die in dieser Gegend vorkommende Architektur. Was mich als gelernten Maurer natürlich freut. Mehr weiss ich heute nicht zu berichten darum noch einige Bilder.

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Bedford, England4. September 2015

Sieben Stunden Durchzug und wackelnde Ohren reichen für heute und auch dieses Jahr. Nach zweimaligem Besuch der Nitrolympix in Hockenheim ist das Europafinale des Dragracing in England ein interessanter Kontrast. Schon die Kulisse unterscheidet massiv von Hockenheim. Dort riesige Tribühnenanlagen hier ein überschaubarer "Grandstand" gegenüber einer Naturtribühne. Gelassener englischer Motorsportenthusiasmus gegen deutsche Grossanlassorganisation. Doch bevor ich zu meinem Heimweg komme, eine kleine Rückschau.
Bis auf eine besoffene Nachteule die mitten in der Nacht eine Gesangseinlage startet schlafe ich perfekt. Zum Glück gibt es nicht nur nur Würstchen und Eier zum Frühstück und ich kann mich stärken. Der wohl aus Indien stammende Rezeptionist kann mir keine bei Santa Pod gelegene Ortschaft nennen da mein Navi das ehemalige Flugfeld nicht kennt. Er ist wohl eher kricket- oder fussballorientiert. Sein Kollege nennt mir Podington, was mir hilft. Endlich sehe ich mehr von der englischen Landschaft als nur die Autobahn. Zugegeben, die allgegenwärtigen Hecken versperren öfters die Sicht aber es gibt doch einiges zu sehen. Auch typische herausgeputzte Dörfer in denen locker Inspektor Barnaby gedreht worden sein könnte. Ich geniesse das auf- und ab der winkligen Strasse und den Sound meiner Aprilia beim Schalten. Nach einer halben Stunde bin ich vor Neun am Ziel. Gerade recht zu den ersten Läufen. Nach einem kurzen Rundgang lasse ich mich auf der kaum besetzten Tribühne nieder. Wie schön ist es warme Motorradkleidung zu tragen. Die gelegentlich durch die Wolkendecke scheinende Sonne kommt gegen die frontal wehende Dauerbrise nicht wirklich wärmend an. Egal, ich bin nicht wegen des Wetters, sondern heute der Motoren wegen hier. Von denen gibt es genug insbesondere da es die Europafinals sind. Sogar sieben Top Fuel Dragster sind am Start. Bis um Ein Uhr halte ich es aus. Beim Gang auf das Klo kaufe ich mir noch ein Pulli mit dem Logo und erspähe einen alten Plymouth Roadrunner. Gerade kommt der sechzigjährige Besitzer vorbei und gibt mir bereitwillig Auskunft. Nur einige Kilometer von hier aufgewachsen, erinnert er sich wie das Flugfeld 1966 in den Dragstrip verwandelt wurde und er mit 15 Jahren sein erstes amerikanisches Auto kaufte und nach Hause fuhr. Ohne Führerschein. Die amerikanischen Besatzer konnten damals ihre Autos gratis nach England bringen aber nicht mehr kostenlos heim nehmen. So blieben unzählige auf einem nahen Autofriedhof wo er seinen ersten Wagen kaufte. Bis heute sind es 46 gewesen wie er berichtet. Dieser Plymouth war schon immer ein Rennwagen und er konnte ihn erst kürzlich kaufen und sogar für die Strasse zulassen. Bis auf den wohl achten Motor sei ziemlich alles original. Heizung und Servolenkung sowie Radio hatte er nie da schon immer als Rennwagen konzipiert.
Noch einmal trotze ich drei Stunden Wind, Lärm und Gummiqualm. Also erlich gesagt geniesse ich bis auf den Wind wirklich alles. Das Geschehen läuft sehr entspannt ab was mir wirklich gefällt. Auch wird mehr applaudiert was ich dem englischen Sportgeist zuschreibe. Noch einmal durchstreife ich ein wenig das Fahrerlager und schwinge mich dann auf mein Motorrad. Zurück in Bedford beschliesse ich beim Nachtessen morgen weiter nördlich nach York zu fahren. Ein kommendes Hoch verspricht auch ein Grad höhere Temperatur als die 13 Grad heute!

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Bedford England3. September 2015

Dank dem Tempur Reisekissen schlafen alte Männer gut. Von den Dimensionen her ist es zwar nicht feudal aber besser als mit Nackenschmerzen zu erwachen. Das Frühstück lasse ich aus. Vielleicht verstehen sich der Seegang und mein Magen nicht. Eigentlich will ich die Fähre um 7.45 erreichen. Daraus wird wohl nichts da bei Abfahrt vom Hotel die Reserveleuchte angeht. Das Risiko auf der Autobahn nach Calais stehen zu bleiben ist mir zu gross und so verlasse ich diese schon bald für Treibstoff. Bei einer Spedition frage ich wo es welchen gibt und sehe wie Leute von den LKW's weggeschickt werden. Calais kann nicht mehr zu fern sein. Langsam befürchte ich bald stehen zu bleiben finde dann doch noch endlich eine Tankstelle. Die Zufahr zum Fährhafen gleicht einer Hochsicherheitsschleuse. Unzählige Polizisten sichern den Korridor mit den Lastwagen. Hinter dem meterhohen Zaun ist die Siedlung aus Palstikplanendächern der Flüchtlinge zu sehen. Eine unglaubliche Szene. Ich fahre unbehelligt weiter und muss dann noch die Passage kaufen. Diese kostet 65 Franken. Die Fähre um 7.45 verlässt den Hafen. Die nächste geht um 8.40 Uhr. Da werde ich mitschippern.
Dank wenig Verkehr geht das Beladen des Schiffs zügig von statten. Pünktlich verlassen wir den Hafen. Der Himmel ist bedeckt und der Seegang schwach. So beisse ich in mein mitgebrachtes Brötchen und einen Apfel und behalte beides bei mir. Nach eineinhalb Stunden legen wir nach Zehn Uhr an. Dann heisst es Navi auf die Zieladresse einstellen und konzentrieren. Der Linksverkehr ist ungewohnt und wird es wohl auch noch etwas länger bleiben. Die heutige Etappe dauert rund drei Stunden und ist alles Autobahn. Nach einer Stunde bin ich an den Aussenbezirken von London und unterquere die Themse westlich der Hauptstadt. Das Verkehrsaufkommen ist immens. Acht Spuren voller Fahrzeuge, aber es rollt. Das einzig Spannende, besser gesagt Herausfordernde, ist wie erwähnt die Linksfahrerei bis zum Ziel.
Das Hotel ist schnell gefunden und ok. Nur der renovierte Raum und die alten Möbel sind wie die Faust auf's Auge. Entweder mögen es die Briten etwas rustikal oder das Budget war erschöpft. Vielleicht auch beides was der Kette sicher entgegen gekommen ist. Es fröstelt mich und nach dem Mittagessen schlendere ich durch das Einkaufsquartier. Zuerst kaufe ich eine SIM-Karte um den Roaminggebühren ein Schnippchen zu schlagen und dann noch einen Pulli. Ich war nicht unbedingt sehr optimistisch was das Wetter angeht, aber von 30 Grad zu Hause nach 15 Grad in England muss ich erst verkraften. Wie einige Einheimische in kurzen Hosen und Leibchen herumlaufen ist für mich etwas befremdlich. Naja, Kälteempfinden ist halt etwas Individuelles.

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Gravelines Frankreich2. September 2015

Alles ist wie üblich minutios vorbereitet und ich schwinge mich um 7.30 Uhr auf das Motorrad. Leider wieder mal alleine. Irgendwann wird sich schon mal wer finden der mitkommt. Das Wetter ist entgegen meiner Befürchtung besser als gedacht und der Morgenverkehr auch nicht allzu heftig. So bin ich schon bald in Basel und passiere die Grenze. Nun kann ich den Hahn etwas mehr spannen als in der Schweiz. Die Geschwindigkeit pendelt sich bei 140 ein. Es könnten mehr sein da in Frankreich eigentlich nur von vorne geblitzt wird. Da ich nicht auf der Flucht bin und gesund heim kommen will ist das gut so. Auf der Autobahn geht es über Strasbourg, Metz und Reims Richtung Calais. Die nächsten achthundert Kilometer sind nur durch drei Tankstops und dem Verzehr zweier Äpfel unterbrochen. Einzige Abwechslung ist eine heftiger Schauer kurz vor dem Ziel. So ist nun auch mein neues Textilkombi getestet.
Etwas benommen steige ich gute sieben Stunden später vor dem Hotel im Zentrum von Gravelines ab und beziehe mein Zimmer. Das Wetter ist gut und ich erkunde ein wenig das von Wassergräben und Wehrmauern umgebene Städtchen. Danach schlendere ich in zwanzig Minuten den Verbindungskanal entlang zu Meer und schiesse weitere Fotos. Mein Aufenthalt an der Küste ist nicht sehr lange da sich Wolken zusammenziehen und ich ohne Regenschutz unterwegs bin. Allzuviel gibt es ja auch nicht zu sehen. Die Beine vertreten tut nach dem langen Sitzen auf jeden Fall gut. Die Drohung der tiefhängenden Wolken bleibt leer und ich komme trocken zurück im Hotel an. Noch etwas schreiben und essen und dann zu Bett. Morgen geht es über den Kanal zu meinem nächsten Ziel.

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Ascona24. April 2015

Gestern ist der Tag eher unspektakulär verlaufen. Mit dem Schiff sind wir um das Flussdelta von Ascona nach Locarno gefahren. Dort sind wir ein wenig herumgebummelt und haben neben zwei paar Hosen und einem Leibchen für Kyra noch eine neue Sonnenbrille für mich gekauft. Zurück in Ascona war der restliche Nachmittag dann noch Spielplatz angesagt. Später das Standartprogramm mit Essen, ein wenig Kika schauen und schlafen gehen. Ich habe während Kyra schlief dann noch etwas über das Maggiatal recherchiert.

Diese Nachforschungen werden nun heute umgesetzt. Wir fahren das Valle Maggia bis Bignasco hoch und biegen ins Bavonatal ab. In langsamer Fahrt geht es die ergrünende Landschaft hoch bis ans Talende nach San Carlo. Die Gondelbahn ist noch nicht in Betrieb aber die interessiert uns auch nicht. Wir wollen noch einmal etwas von der Geschichte erforschen. Das Ziel ist ein lange verlassener Weiler gegenüber von San Carlo. Presa liegt auf einer Halde und wurde vor rund 600 Jahren besiedelt. Genau diese Lage wurde dem Ort sicher immer wieder zum Verhängnis. Deutlich dokumentiert wird dies anhand der kleinen Kirche von der zwei Mal Etliches durch wechselnde Bachverläufe und Murgänge mitgerissen wurde. Von den ehemals 25 Gebäuden stehen heute noch drei. Die zwei erhaltenen Turmhäuser bilden ein frei zugängliches Museum und im besser erhaltenen ist Einiges zur Geschichte des Ortes beschrieben. Das warme Frühlingswetter mit makellos blauem Himmel kann jetzt einiges romantisch verklären. Wir aber stellen uns vor mit welch Unbehagen die Leute damals in ihren engen Behausungen die über ihnen tobenden Unwetter ausgesessen haben müssen.
An einem Wasserfall welchen wir das Tal hoch neben der Ortschaft Fontanellata gesehen haben halten wir auf dem Rückweg an und machen neben den tosenden Wassermassen Mittagsrast. Nach einem Getränk im lokalen Grotto steigen wir bis neben den Fuss der Kaskade hoch und werden von der Gischt regelrecht geduscht. Kyra ist durch unsere Exkursionen schon richtig trittsicher geworden und ich muss sie an heiklen Stellen bremsen und ihr die Gefahren vor Augen führen. Von hieer oben ist der Blick über das Tal eindrücklich schön. Nach unserem Abstecher streifen wir noch etwas durch das Dorf. Es sind kaum Einheimische anwesend. Die auch nur wenigen Touristen scheinen beinahe in der Überzahl. In Kriechfahrt rollen wir weiter das Tal hinab um die Gegend und Ausblicke zu geniessen. Nach dem Einbiegen ins Maggiatal kommen wir vor Cevio an einem Spielplatz vorbei. Ich gebe Kyras Wunsch den mal anzusehen nach. Meinen Willen hatte ich ja heute auch schon.
Später kaufen wir in Maggia noch Brot und andere Lebensmittel. Morgen wird laut Prognose die Sonne verschwunden sein und wir haben für diesen Fall auch schon einen Plan. Wir wollen ins Hallenbad am Lido von Locarno.

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Ascona22. April 2015

Heute getreu dem Grundsatz; Weniger Text, mehr Fotos.
Trotzdem kurz was gelaufen ist. Wir fahren etwas das Maggiatal hoch und wollen bei Someo über eine Hängebrücke die Maggia überqueren. Doch die Brücke fehlt weil sie ersetzt wird. So findet unsere Exkusion der Hauptstrasse entlang den Steinbrüchen nach statt. Eigentlich auch nicht schlecht mal etwas über ein altes Tessiner Gewerbe zu erfahren. Granit ist hier ja omnipräsent.
In Cevio machen wir Mittagsrast und streifen dann auf der anderen Talseite durch das beinahe menschenleere Boschetto. Vieles muss schon lange verlassen sein, so gross wie die Bäume in den Grundstücken sind. Am Ende des Dorfes baggert eine Frau mittleren Alters emsig. Ich helfe ihr die Raupe welche abgefallen ist wieder auf die Räder zu montieren und erkläre ihr wie der Spannmechanismus funktioniert. So kann sie weiter das Grundstück weiter wieder nutzbar machen.
Da auf dieser Seite kein wirklicher Weg verläuft müssen wir dann durch das Unterholz und dürfen zuletzt noch barfuss die Maggia durchqueren. Kyra findet es toll. Ich auch.

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Ascona21. April 2015

Das schöne Wetter muss ausgenützt werden und der Berg ruft! Der Berg heisst Monte Tamaro. Den Weg zur Talstation der Bahn kennen wir noch vom letzten Jahr. Kurz vor Zehn steigen wir in eine Gondel für vier Personen. Auf dem unter uns kleiner werdenen Parkplatz sind gerade drei Autos abgestellt. Entsprechend leer sind auch die Gondeln. Wir fahren bis zur Bergstation, der Alpe Foppa. Hier oben liegt noch einiges an Schneefeldern und die Betriebe sind im Frühlingserwachen. Der Aufstieg zum Gipfel des Monte Tamaro liegt noch unter Schnee und ist meiner Meinung nach noch nicht begehbar. Kyra will erst mal den grossen Spielplatz erkunden bevor wir unsere Wanderung in Angriff nehmen. Ich danach die Kapelle vom Architekten Botta ansehen. Naja, von aussen finde ich sie nicht wirklich umwerfend. Den Gang und Andachtsraum sind aber wirklich ansprechend gestaltet.
Um nicht gleich in einer Monstertour zu enden soll uns der zweistündige Weg zur Mittelstation vorerst genügen. Die schottrige Naturpiste windet sich mit wenig Gefälle den bewaldeten Hang hinunter. Meine Knie wissen das zu schätzen. Da die Bäume erst austreiben können wir beinahe immer die wärmende Frühlingssonne geniessen. Auf halber Distanz machen wir auf einem grossen Felsen im Wald Mittagspause. Nach insgesamt zwei Stunden erreichen wir die Mittelstation. Rasch sind wir mit der Gondel wieder unten. Während unserem Abstieg sind es doch einige Fahrzeuge mehr auf dem Parkplatz geworden. Rasch sind wir dank Werktag und kaum Touristen zurück in unserer Wohnung.
Nach dem Duschen gilt es für Kyra noch die Postkarten fertig zu schreiben. Was sie aber freiwillig macht damit diese noch vor uns zu Hause ankommen wie sie meint. Auf der hundert Meter langen Treppe vom Haus hinunter an die Promenade von Ascona spüren wir dass es eine kluge Entscheidung war es oben auf dem Berg nicht zu übertreiben. Nun gönnen wir uns das Eis welches wir uns gestern selbst versprochen haben
Kyra will noch einmal Trampolin hüpfen und schafft diesmal schon 2 Saltos. Das muss ich natürlich bildlich festhalten. Auch der Spielplatz bleibt heute nicht von uns nicht verschont. Nach zwei Stunden Spass und Tumult ist es dann noch Zeit Brot für morgen zu kaufen. Wieder geht es die Treppe hoch. Das Tessin ist halt ein richtiger Bergkanton. Selten geht es wirklich nur gerade aus. Mal sehen was uns morgen beim Durchstreifen des Maggiatales erwartet.

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Ascona20. April 2015

Dank wenig Verkehr sind wir nach 3 Stunden Fahrzeit über den San Bernardino Pass in Ascona. Unser Zuhause ist schnell gefunden und so können wir den Abend noch an den Promenade verbringen. Bei strahlendem Sonnenschein essen wir hier draussen.
Der heutige Montag steht im Zeichen des Nichtstuns. Insofern dass dies bei Kyra und mir überhaupt möglich ist. Nach dem Einkauf für unsere Verpflegung und die Wanderung von morgen verbringen wir den Nachmittag am See auf dem Spielplatz wo Kyra die Geräte ausgiebig geniesst und diesmal auch das Spezial Trampolin testet. Die gekauften Postkarten sind auch schon mit den Anschriften versehen, nur das Texten braucht noch etwas Zeit. Was wir aber noch haben. Schliesslich sind wir erst einen Tag hier.

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